Jan Hostettler

Zeichnung

O.T.

Graphit auf Kalkstein

Skulptur/Zeichnung

Kaskadenkondensator, Basel

 

O.T. 2012, Graphit auf Kalkstein, Ausstellungsansicht Kaskadenkondensator, Basel

 

«Raum schaffen oder suggerieren kann man in der Kunst je nach Medium oder Genre auf unterschiedlichste Art und Weise. Architekten lassen Gebäude errichten, Bildhauer formen Rohmaterial, technische Zeichner konstruieren mit Geometrie und Perspektive. Die vorliegende Arbeit ist in dieser Hinsicht eine Art Hybrid.

Mit Graphitmeissel prägte der Künstler einem Untergrund aus vier angrenzenden Muschelkalkplatten – ein  gängiges Material für Gebäudefassaden – das Abbild eines vom Bildrand beschnittenen, quaderartigen Körpers ein. Das Resultat ist keine Zeichnung im klassischen Sinne – allerdings ja auch keine Skulptur, denn beim Hauen des Bildes wurden die Kalkplatten kaum, der Graphitmeissel hingegen stark abgenutzt.

Die Dynamik des bildhauerischen Gestus überträgt sich auf die Wirkung der unterschiedlich starken Schraffuren aus kurzen Graphitstrichen, welche Räumlichkeit und eine spezifische Lichtsituation vortäuschen. Je nach Blickwinkel ändert sich die Wahrnehmung des geometrischen Körpers; die Perspektive bleibt vage und mehrdeutig. Der Künstler weiss, dass eine klar definierte Skulptur diese Irritation nicht evozieren könnte. […]

In der Arbeit widerspiegelt sich ein Nachdenken über Möglichkeiten und Grenzen der einzelnen raumgenerierenden Methoden der Kunst und darüber, was durch die Verschmelzung spezifischer Techniken erreicht werden kann.»

Nora Wyss


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